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30.07.2019DHWR-Stellungnahme zum Entwurf der Muster-Holzbaurichtlinie

Am 23.05.2019 wurde durch die Fachkommission Bauaufsicht der Entwurf einer Muster-Holzbaurichtlinie (MHolzBauRL) beschlossen. Diese soll brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile in Holzbauweise für Gebäude der Gebäudeklassen [1] 4 und 5 näher definieren und dient als praxisrelevante Ergänzung der Musterbauordnung (MBO).

Tatsache ist: immer mehr Bundesländer öffnen sich für das mehrgeschossige Bauen mit Holz und überarbeiten deshalb ihre Landesbauordnungen. Die Musterholzbaurichtlinie soll nun einen allgemeinen Rahmen vorgeben, um die baurechtlichen Anforderungen bei der Verwendung des Baustoffs Holz in diesen Bereichen zu konkretisieren. Die Fachkommission Bauaufsicht beabsichtigt zudem in einem weiteren Schritt, die übergeordnete Musterbauordnungen in den wesentlichen Punkten an diese Entwicklung anzupassen.

Der DHWR begrüßt die Novellierung der Richtlinie, die seit 2005 keine Änderung mehr erfahren hat, weist jedoch auf Optimierungspotenzial hin. Die wichtigsten Kritikpunkte der DHWR-Stellungnahme lauten: 

·     Im vorliegenden Entwurf der MHolzBauRL ist der Holzrahmenbau in Gebäudeklasse 5 nicht vorgesehen.

·     Etablierte Holzbauweisen, wie der Skelett- oder der Fachwerkbau finden in der MHolzBauRL keine Erwähnung.

·     Gleichzeitig mit der MHolzBauRL sollte auch die MBO angepasst werden, damit potenziell widersprüchliche Regelungen vermieden werden.

·     Statt besonders vorbildliche Landesbauordnungen mit der MHolzBauRL auszubremsen, ist es angezeigt,  die jeweils technisch fortschrittlichste Regelung als Grundlage für eine Muster-Richtlinie zu wählen.

Dr. Denny Ohnesorge, Geschäftsführer des DHWR kommentiert mit der Stellungnahme zudem: „Die Aktualisierung und Konkretisierung einer solchen Richtlinie ist ein guter Ansatz, um das Bauen mit Holz und Holzwerkstoffen weiter zu fördern. Laufende Forschungen ergeben stetig neue Erkenntnisse zum Holzbau  und diese können genutzt werden, um nachhaltig und sicher zu bauen.“ 

Damit bezieht sich Ohnesorge auf verschieden Projekte zur Weiterentwicklung von brandschutztechnischen Regelungen, wie von TIMpuls oder der Hochschule Rottenburg[2]. Aus Sicht des DHWR sollte die MHolzBauRL zudem möglich schnell umgesetzt werden, um den neuesten Stand der Technik im Holzbau deutschlandweit anwendbar zu machen.

Darüber hinaus ist Holz nicht nur ein vielfältig einsetzbarer Werkstoff, die Verwendung schont auch das Klima: Zum einen wird das Klimagas CO2, das ein Baum während seines Lebens aufgenommen hat, im Holz gespeichert und bleibt dort gebunden. Zum anderen entstehen bei der „Herstellung“ von Holz keine klimaschädlichen Emissionen wie bei anderen Baustoffen. 

In wie weit der Entwurf der MHolzBauRL geändert wird bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch bereits bis hierhin sicher: die Kapazitäten für den Holzbau sind längst nicht ausgeschöpft !

Zum Entwurf der M-HolzBauRL geht es hier.

Zur Stellungnahme des DHWR geht es hier.

Zur Kommentartabelle (konkrete Änderungsvorschläge) des DHWR geht es hier.

[1]In Deutschland werden Gebäude gemäß den Landesbauordnungen der einzelnen Bundesländer in Gebäudeklassen eingeteilt. Die Einstufung eines Gebäudes in eine Gebäudeklasse richtet sich nach der Höhe und nach der Fläche des Gebäudes. Die Einteilung der Gebäude in verschiedene Gebäudeklassen bringt unterschiedliche Anforderungen an Baustoffe- und -teile mit sich. Je höher die Gebäudeklasse ist, desto strenger sind im Allgemeinen die Anforderungen an die Feuerwiderstandsdauer der Bauteile. Gebäudeklasse 4) Gebäude mit einer Höhe bis zu 13 m und Nutzungseinheiten mit jeweils nicht mehr als 400 m², Gebäudeklasse 5) sonstige Gebäude einschließlich unterirdischer Gebäude

[2]TIMpuls - Brandschutztechnische Grundlagenuntersuchung zur Fortschreibung bauaufsichtlicher Regelungen im Hinblick auf eine erweiterte Anwendung des Holzbaus sowie „Richtlinie HolzbauBW“: Entwicklung einer Richtlinie für Konstruktionen in Holzbauweise in den Gebäudeklassen 4 und 5 gemäß LBO BW unter Federführung der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg