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05.07.2016Sterben auf Raten: Pläne der Universität Hamburg für das Zentrum Holzwirtschaft

Der Deutsche Holzwirtschaftsrat e. V. (DHWR) erklärt die Gespräche mit der Universität Hamburg über die Zukunft des Zentrums Holzwirtschaft für gescheitert. Das von der Universität vorgelegte Zukunftskonzept, das mit zwei regulären und zwei Stiftungsprofessuren nur noch einen Rumpfbetrieb bedeuten würde, ermöglicht weder Forschung noch Lehre in angemessenem Maße. 

Die geplanten Umstrukturierungen innerhalb des Fachbereichs Biologie an der Universität Hamburg beschäftigen bereits seit mehreren Monaten die (Fach-)Öffentlichkeit. Nicht nur Studierende, sondern auch zahlreiche Vertreter von Unternehmen und Verbänden sowie nicht zuletzt die betroffenen Professoren haben sich für einen Erhalt des traditionsreichen Zentrums eingesetzt.

Das nun von der Universität Hamburg entwickelte Zukunftskonzept sieht vor, künftige Holzwirte im Rahmen eines Bachelor-Studiengangs „Biologie/Bioressourcen“ auszubilden und erst im Masterstudium „Wood Science“ eine Schwerpunktsetzung im Sinne des bisherigen Studiums der Holzwirtschaft zu ermöglichen. Das damit einhergehende Ausdünnen des Lehrangebots würde auch bedeuten, die Anzahl der regulären Professuren von sieben auf zwei zu reduzieren sowie zwei weitere Lehrstühle in Form von Stiftungsprofessuren am Zentrum anzugliedern. Dieses Konzept hält der DHWR für nicht zukunftsfähig. Laut dem deutschen Stiftungsrat soll eine Stiftungsprofessur dazu dienen, neue Forschungsgebiete zu erschließen sowie die Möglichkeit geben, aus aktuellen Trends heraus Innovationen in Forschung und Lehre zu etablieren – nicht, Finanzierungslücken in Höhe von 600.000 Euro im Haushalt der Universität Hamburg zu schließen.

Chance des Zukunftsthemas Bioökonomie verpasst

Verbunden mit der Reduktion der Professuren von sieben auf zwei aus dem Haushalt der Universität finanzierte Lehrstühle streicht die Universität Hamburg die Inhalte des Studiengangs Holzwirtschaft derart zusammen, dass von einer fundierten Ausbildung der Holzwirte kaum noch ausgegangen werden kann. Lehrinhalte wie „Biodiversität der Tiere“, „Evolutionsbiologie“ und „Tierphysiologie“ mögen für Biologen essenziell sein – einen angehenden Absolventen der Holzwirtschaft bereitet dies kaum auf Spitzenforschung und künftige Berufsfelder vor. Komplexe Zusammenhänge im Bereich der Bioökonomie und ressourceneffizienten Nutzung nachwachsender Rohstoffe werden nicht gelehrt und hierfür keine Ausgangsbasis im Bachelorstudium geschaffen; wirtschaftsrechtliche Grundlagen und die Ökonomie des Holzmarktes fehlen komplett. Statt die Sparzwänge dafür zu nutzen, Studiengang und Forschung am Zentrum Holzwirtschaft auf aktuelle gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends neu auszurichten, verpasst die Universität Hamburg die Chance, zukunftsfähiges Gesamtkonzept zu entwickeln.

Die Verbände der Holzwirtschaft bedauern diese Entwicklungen und können die Entscheidung der Universität nur schwer nachvollziehen. „Zum Wohle von anhaltender Innovationskraft, exzellenter Forschung und fundierter Ausbildung hoffen die Verbände der Holzwirtschaft weiter auf den Willen der Politik, den universitären Zweig der Green Economy in der Hansestadt zu stärken und gemeinsam Lösungen zu entwickeln“, so DHWR-Geschäftsführer Dr. Denny Ohnesorge. Aus den bisherigen Gesprächen mit der Universität Hamburg erkennt der DHWR jedoch keinerlei dahingehendes Interesse. 



Pressekontakt

Dr. Denny Ohnesorge
Deutscher Holzwirtschaftsrat e.V. (DHWR)
Dorotheenstraße 54
10117 Berlin

Tel.:       +49 30 72 0204 3885           
E-Mail:   presse@dhwr.de
Web:      www.dhwr.de

Über den Deutschen Holzwirtschaftsrat (DHWR)

Der Deutsche Holzwirtschaftsrat (DHWR) hat 14 Mitgliedsverbände mit über 70.000 Betrieben, die mit ca. 650.000 Beschäftigten einen Umsatz von etwa 120 Milliarden Euro generieren. Die Dachorganisation der deutschen Holzwirtschaft deckt durch die Mitgliedschaft der führenden Verbände der Holzbranche die gesamte Wertschöpfungskette ab. Diese reicht vom Rohholz, das von der Säge-, Holzwerkstoff- sowie Zellstoff- und Papierindustrie bearbeitet wird, über die Weiterverarbeitung von Holz und Holzprodukten in der Möbel- und Packmittelindustrie, in der Pelletproduktion sowie in den Handwerksbetrieben und im Holzbau, bis hin zum Vertrieb durch den Handel und die Makler. Der Kreislauf schließt sich durch das Recycling von Altpapier und Holz.