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01.12.2021Holzwirtschaftspräsident zum Koalitionsvertrag: „Es muss jetzt konkret werden.“

PRESSESTATEMENT

Berlin, 1. Dezember 2021. Zum neuen Koalitionsvertrag „Mehr Fortschritt wagen“ von SPD, Bündnis90/Die Grünen und FDP erklärt Erwin Taglieber, Präsident des Deutschen Holzwirtschaftsrates (DHWR): 

„Der in der letzten Woche vorgestellte Koalitionsvertrag beinhaltet wichtige Ziele für die Holzwirtschaft: eine nationale Holzbau-, Leichtbau- und Rohstoffsicherungsstrategie und die Sicherung des heimischen Rohstoffabbaus; Stärkung der regionalen Wirtschaftsförderung; Start einer Holzbauinitiative. Grundsätzlich begrüßen wir diese Ziele sehr, da diese die regionale Wertschöpfungskette stärken.

Aber den Absichtserklärungen müssen jetzt auch konkrete Lösungsvorschläge folgen, um beispielsweise die angestrebten schnelleren Planungs- und Genehmigungsverfahren in der Praxis umsetzen zu können. Der Bau-, Roh- und Werkstoff Holz muss aufgrund seiner CO2-Bindungsleistung viel stärker eingesetzt werden – komplexe Genehmigungsverfahren machen es den Unternehmen aber häufig immer noch unnötig schwer. Je länger die planungspolitischen Missstände anhalten, umso schwieriger wird es, die Klimaziele auch wirklich zu erreichen. 

Besonders kritisch sehen wir die sehr konkrete Ankündigung, den Einschlag in alten, naturnahen Buchenwäldern zu stoppen, die sich in öffentlichem Besitz befinden. Dies impliziert, dass die Buchenwälder vor der Forstwirtschaft geschützt werden müssten. Die positive Waldentwicklung der Buchenwälder der letzten drei Jahrzehnte zeigt dagegen sehr deutlich, dass die Forstwirtschaft gerade Garant für den Erhalt dieser Wälder ist.

Problematisch sehen wir auch die Pläne, die Wälder im Bundesbesitz mittelfristig mindestens nach FSC- oder Naturland-Standards zu bewirtschaften und den klimawandelbedingten Waldumbau mit ‚überwiegend standortheimischen Baumarten‘ vorzutreiben. Alle diese Maßnahmen werden das Rohstoffangebot mittelfristig reduzieren und stehen im direkten Gegensatz zu anderen Zielen der Koalitionäre, insbesondere der Sicherung der heimischen Rohstoffversorgung und dem Klimaschutz. Das auch in Deutschland sich zweifelsohne verändernde Klima macht es notwendig, zukünftig auch auf nichtheimische Baumarten zu setzen. Pauschale Festlegungen helfen da ebenso wenig weiter wie die angekündigten Einschlagsstopps für alte Buchenwälder, die eine gewünschte stärkere Laubholzverwendung verunmöglichen.

Unterm Strich kommt jetzt der Löwenanteil der Arbeit. Der DHWR freut sich auf die bevorstehenden Gespräche mit den Regierungsvertretern und wird sich dafür einsetzen, die Politik davon zu überzeugen, dass wir als Cluster nicht Problem, sondern Teil der Lösung sind.“