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Was ist der gelebte Brauch im Handel mit Holz und Holzprodukten? – Neufeststellung der Gebräuche

Die Gebräuche im Handel mit Holz und Holzprodukten in Deutschland – besser bekannt als „Tegernseer Gebräuche“ – stellen ein für Deutschland einzigartiges Werk dar: Sie sind schriftliche Dokumentation des „gelebten Brauchtums“ und regeln Detailfragen im inländischen Handel mit Holz und Holzprodukten. Die letzte Fassung wurde 1985 herausgegeben und ist seit über 30 Jahren im Gebrauch – Grund genug, diese auf den Prüfstand zu stellen.

Hintergrund

Die Handelsgebräuche – meist „Tegernseer Gebräuche“ oder kurz „TG“ genannt – haben durch die Verknüpfung mit §346 Handelsgesetzbuch (HGB) quasi Gesetzescharakter und spielen für sämtliche Holzvertriebswege vom Rohholzhandel über Sägewerke, Verarbeiter und Händler bis zum verarbeitenden Handwerk eine entscheidende Rolle bei Vergleichen, Reklamationen und Handelsabschlüssen. Sie müssen im Gegensatz zu Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nicht explizit vereinbart werden und entfalten vor allem dann Rechtskraft, wenn keine individuelle Vereinbarung zu einem Punkt getroffen wurde oder es zu widersprüchlichen Vereinbarungen gekommen ist.

Die Gebräuche gelten zwischen Unternehmern, also Kaufleuten im „B2B“ im innerdeutschen Handel mit Holz und Holzprodukten. Sie gelten auch dann, wenn sie nicht explizit vereinbart wurden oder einer der Beteiligten diese nicht kannte. Dies betrifft demnach nicht nur Holzhändler, sondern alle, die mit Holz und Holzprodukten gewerblich handeln und entsprechende Geschäfte abschließen, z. B. auch Tischler, Zimmerer und andere Verarbeiter.

Stand der Neufeststellung

Wichtig ist, dass ein Gebrauch nur festgestellt und nicht ‚geändert‘ werden kann. Um die Neufeststellung auf sichere Beine zu stellen, hat man sich zweier Werkzeuge bedient: einer wissenschaftlichen Umfrage bei den Branchenverbänden im Rahmen einer Bachelor-Arbeit und einer umfangreichen Detailstudie von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Branche, um daraus die gelebte Praxis herzuleiten.

Mithilfe dieser Grundlagen wurde ein Vorbewertungsdokument erstellt, das Grundlage für die Beratungen war. Der Teil 1 wurde in vier Kommissionssitzungen seit Juni 2019 beraten. Der Entwurf dazu wurde der Fachöffentlichkeit für einen Zeitraum von zwei Monaten (April – Juni 2020) zur Kommentierung vorgelegt.

Darüber hinaus wurde ein Entwurf für die geplanten Änderungen von Aufbau, Titel, Anwendungsbereichs und den „Maklergebräuchen“ (Anhang C) erarbeitet. Die Rückmeldungen zur Konsultation werden aktuell ausgewertet und von der Kommission beraten (Stand September 2020).

Die Koordination der Kommission zur Neufeststellung der Handelsbräuche wird als Resultat der Konsultation unter Federführung der Verbände DeSH und GD Holz fortgeführt. Beide Verbände waren an den bisherigen Arbeiten maßgeblich beteiligt. Das Redaktionsteam aus DeSH (Christina Reimann: Christina.Reimann@saegeindustrie.de) und GD Holz (Florian Zeller zeller@gdholz.de) koordiniert die weiteren Schritte und ist Ansprechpartner für Fragen.

Weitere Informationen

Unter diesem Link finden Sie die Tegernseer Gebräuche in der Fassung von 1985.

Hier können Sie die Enwürfe (Stand April 2020) als ZIP-Datei herunterladen.