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Was ist der gelebte Brauch im Handel mit Holz und Holzprodukten? – Neufeststellung der Gebräuche

Die Gebräuche im Handel mit Holz und Holzprodukten in Deutschland – besser bekannt als „Tegernseer Gebräuche“ – sind schriftliche Dokumentation des „gelebten Brauchtums“ und regeln Detailfragen im inländischen Handel mit Holz und Holzprodukten. Die letzte Fassung wurde 1985 herausgegeben und ist seit über 30 Jahren im Gebrauch – Grund genug, diese neu festzustellen.

Hintergrund

Die Handelsgebräuche – meist „Tegernseer Gebräuche“ oder kurz „TG“ genannt – entwickeln durch die Verknüpfung mit § 346 Handelsgesetzbuch (HGB) Normcharakter und spielen für sämtliche Holzvertriebswege vom Rohholz über Sägewerke, Verarbeiter und Händler bis zum verarbeitenden Handwerk eine entscheidende Rolle bei Vergleichen, Reklamationen und Handelsabschlüssen. Sie müssen im Gegensatz zu Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nicht vereinbart werden und entfalten vor allem dann Rechtskraft, wenn keine individuelle Vereinbarung zu einem Punkt getroffen wurde oder es zu widersprüchlichen Vereinbarungen gekommen ist.

Die Gebräuche gelten zwischen Unternehmern, also Kaufleuten im „B2B“ im innerdeutschen Handel mit Holz und Holzprodukten. Sie gelten auch dann, wenn sie nicht explizit vereinbart wurden oder einer der Beteiligten diese nicht kannte. Dies betrifft demnach nicht nur Holzhändler, sondern alle, die mit Holz und Holzprodukten gewerblich handeln und entsprechende Geschäfte abschließen, z. B. auch Tischler, Zimmerer und andere Verarbeiter.

Synopse zu Teil 1

Nach Abschluss der Beratungen zum ersten Teil der Gebräuche, Ende 2020, wurde eine Gegenüberstellung der Versionen 1985 und 2021 veröffentlicht. Gültig bleibt zunächst die Fassung 1985, allerdings gibt die Gegenüberstellung Hinweise, welche Gebräuche sich in den Jahren gewandelt haben und zu welchen Ergebnissen die Neufeststellung gekommen ist. Offiziell werden die Gebräuche nach Abschluss der Neufeststellungen zu Teil 2 und den Anhängen als Gesamtdokument verabschiedet.

Neufeststellung des zweiten Teils

Seit Dezember 2020 arbeitet eine Arbeitsgruppe der Gebräuchekommission an der Ausarbeitung bzw. Neufeststellung des zweiten Teils der TG.

Der Fokus des zweiten Teils liegt auf den nativen Vollholzprodukten Schnittholz und Furnier, da unterschiedlich verklebte und weiterverarbeitete Holzprodukte nicht im Detail in Gebräuchen regelbar sind. Der erste Teil hingegen ist anwendbar für alle üblichen Holzsortimente und -werkstoffe.

Die Arbeiten am Entwurf zum zweiten Teil sind abgeschlossen (Stand Mai 2021). Das Dokument kann hier eingesehen werden. Gerne können Sie uns bis 12. Juli 2021 Ihre Kommentare zu Teil 2 zukommen lassen.

Weitere Informationen

Die Koordination der Kommission zur Neufeststellung der Handelsbräuche wird unter Federführung der Verbände DeSH und GD Holz geführt. Beide Verbände waren an den bisherigen Arbeiten maßgeblich beteiligt. Das Redaktionsteam aus DeSH (Christina Reimann: Christina.Reimann@saegeindustrie.de) und GD Holz (Florian Zeller zeller@gdholz.de) koordiniert die weiteren Schritte und ist Ansprechpartner für Fragen.

Dokumente:

  • Entwurf zu Teil 2 der Gebräuche als Synopse (PDF)
  • Synopse des neu festgestellten Teil 1 der Gebräuche (PDF)
  • Hier finden Sie die Tegernseer Gebräuche in der Fassung von 1985 (PDF).